Best Practice – „Ich war eine (Win-)Dose“

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Viele halten Macs für inkompatibel oder schlicht nicht für sinnvoll in Office-Umgebungen. Das nachfolgende Beispiel beweist das Gegenteil. Sowohl in Sachen Kompatibilität, Leistungsfähigkeit und praxisgerechter Anwendbarkeit beweist der Mac mit OS X als Server Version welche Möglichkeiten in ihm stecken.

Die Ausgangssituation: PC-Totalausfall

Titeibild BP2017-02 Umzug WinDose
(Quellen – Komposition: Junctus – Einzelbilder: Produktbilder von Herstellerseiten Fujitsu® u Apple®)

Urplötzlich quittierte ein ca. 10 Jahre alter Windows-Rechner (Fujitsu Primergy TX150), der als Scan-Server fungierte, seinen Dienst. Nach mehreren Versuchen und Tests lautete die Diagnose, dass der Win-PC so nicht mehr zu reparieren war. Auch von einer startfähigen Installer-CD brach der Startvorgang immer wieder ab… Durch den Tod des Servers stand bei meinem Kunden der gesamte Bereich der Archivierung still. Drei Mitarbeiter’innen waren dadurch direkt betroffen und die Kunden konnten letztlich nicht mehr beliefert werden. Das Alter des Systems und der installierten Software-Versionen, sowohl der Betriebssyteme als auch der Anwendungs-Software stellte die eigentliche Herausforderung da. Lizenzen, Quellen, Dokumentationen zu den Installationen sind dann praktisch doch nicht mehr so verfügbar, wie theoretisch angenommen.

Der Server war als Host-Rechner konzipiert und bildete die Basis für ein System aus drei weiteren Client-Rechner (Windows PC mit Win2000, Win-XP, etc.) sowie zwei installierten Dokumenten-Scanner. Über eine spezielle Scan-Software verwaltete und steuerte der Server die drei Client-Rechnern für das automatisierte digitalisieren und verarbeiten der gescannten Dokumente. Zusätzlich stellt der Server die Lizenzierung der Software über einen USB-Dongle bereit. Ohne diesen Dongle startete an keinem Client-Rechner die benötigte Scan-Software.

 

Zwei Lösungsansätze denkbar

  1. Einen neuen handelsüblichen PC kaufen, alle Software neu installieren und die Daten aus dem vorhandene Backup (Raid-System) zurück kopieren.
  2. Den gesamte Server-PC als Virtualisierung via Parallels auf einem zur Verfügung stehenden MacPro mit OS X Server importieren und betrieben.

zu 1.)  Vordergründig und theoretisch schien diese Variante die logischste zu sein. Jedoch stellten sich die Fragen, ob sich ein neuer PC mit einem alten Betriebsystem, wie dem eingesetzten Win-2000/2003/XP, installieren lassen würde? Hintergrund war, dass neuere Betriebssysteme wiederum nicht zum Einsatz kommen konnten, da die eigentliche und sehr spezielle Scan-Software nicht mehr unter neueren Systemen laufen würde. Für eine der genutzten Applikation gab es zudem auch gar keine neueren Versionen, da die Entwicklung eingestellt wurde. Neben der vermeintlichen günstigen PC-Hardware, würde die Anschaffung neuer Software also erhebliche Folgekosten bedeuten. Nicht zu Letzt, da die Lizenzen der speziellen Scan-Software sehr teuer sind und eine komplette Neukonfiguration des Systems bedeutet hätte. Zusätzliche Kosten würden auch durch die Neu-Lizensierung der Win-Systeme entstehen. Immerhin kam eine Win-Server Version mit drei Clients zum Einsatz. Der damit einhergehende Beschaffungsprozess hätte zudem einen enormen Zeitverlust bedeutet.

Info Über diesen Maczu 2.) Der MacPro (Bj. 2010) inkl. einer Parallels Installation war wie erwähnt bereits vorhanden. Hierüber betreibt der Kunde seit Jahren zwei virtuelle Win-7 Maschinen im Netzwerk. U.a. läuft hierüber die eingesetzte Lexware, die es nicht als native Mac-Software gibt. Die Idee war, das vorhandene PC-Server System als neue virtuelle Maschine in Parallels zu importieren und anschließend über den OS X Server wieder mit den bestehenden und noch funktionierenden Client-PCs mit ihren jeweils angeschlossen Scannern zu verbinden.

Ein Mac, um allen zu dienen

Um es vorweg zu sagen: Der Archivierungsbereich meines Kunden läuft seit ein paar Tagen wieder stabil und die Mitarbeiter’innen können das angestaute Material abarbeiten. Die Strategie, eine bestehende Windows-Installation als eine Virtualisierung auf einem MacPro weiterleben zu lassen ist aufgegangen. Gleichzeitig konnte ich die neue virtuelle Machine mit in die bestehende Backup-Strategie via TimeMachine einbinden. Damit ist es nun möglich, den aktuellen Stand aller Systeme und Daten innerhalb kürzester Zeit auf einen neuen Mac zu transferieren.

Im folgenden möchte ich grob die Steps aufzeigen, wie ich den Umzug des Window-Servers auf den MacPro umgesetzt habe:

  1. Demontage der HDD-Festplatten aus dem alten PC-Gehäuse.
    • je 1x Systemplatte und 1x Datenplatte.
    • SATA-Anschlüsse
    • NTFS Formatiert
  2. Montage der HDD-Festplatten in den MacPro ohne Umformartierung
    • Mac OS X ist in der Lage NTFS Platten direkt zu lesen
    • Die SATA HDD konnte einfach in einen noch leeren Festplatteneinschub verbaut und direkt vom System genutzt werden
      (Anm.: Windows hingegen unterstützt bis heute nicht das HFS Format, nicht mal zum reinen lesen. Windows ist alles andere als offen ggü. anderen Formaten und Systemen.)
  3. Installation und Formatierung einer schnellen SSD-Platte als neue Heimat für den Scan-Server und seine Scan-Software
    • Formatierung als HFS-Laufwerk
  4. In OS X via Parallels: Neue  virtuelle Machine auf SSD-Platte angelegt und darin das alte Win-Server 2003 System von NTFS-Platte importiert.
    • Das alte System wurde klaglos als virtuelle Maschine übernommen und konnte anschließend in Parallels gestartet werden
    • Der am Mac Pro eingesteckte USB-Dongle wurde ebenfalls sauber von der virtuellen Maschine erkannt, so dass die spezielle Scan-Software startet und auch im Netz erkeannt wurde.
  5. OS X  Server: DHCP und DNS Dienste werden vom Mac Server bereitgestellt.
    • Feste IP für virtuelle Maschine mit dem alten Win-Server 2003 System
    • Feste IP für die drei Client PC mit den angeschlossen Scannern
  6. Netzwerkverbindungen und Software einrichten und Konfigurieren
    • Benötigten Freigaben an den Windows- Clients eingerichtet, Laufwerksbuchstaben zu gewiesen (F:…) und sicher gestellt, dass die Verbindung mit den Netzlaufwerken auch nach Neustart aufgebaut wird.
    • Geänderte Pfade in der Scan-Software konfiguriert (Stapelmanager, Verwaltungssoftware und Scanner-Trieber, etc.)
  7. Finale Testzyklen mit dem virtuellen Win-Server und den Client-Rechner
    • Scan-Prozesse starten und Stapelverarbeitungen anstoßen.
    • Verschiedene Einstellungen und Produktionsprozesse je nach Kunde getestet
    • Neuanlagen von „Scanner Job-Descriptions“
  8. Einbindung der virtuellen Maschine in die bestehende TimeMachine Backup-Strategie

Vom Prinzip lief es genau in den Schritten ab, jedoch fluppte nicht alles gleich auf anhieb. Es gab einige netzwerk-technische Probleme. Die jetzt räumliche getrennte Lage der Client-Rechner und des Mac-Servers musste neu eingebunden werden. Unter anderem bereitete ein Netzwerk-Switch Kopfzerbrechen, da dieser bestimmte Adressbereiche gesperrt hatte, auf die der Mac-Server dann keinen Zugriff erhielt. Hier konnte ich durch einige Veränderungen in der Verkabelung, bzw. Umsortierung des Adressbereichs jedoch beide Räume miteinander „in Verbindung“ bringen.

An anderer Stelle haben dann die Windows-Clients rumgezickt, weil sie die vom Server freigegebenen Ordner/Pfade nicht erkennen wollten. Während z.B. mein eigenes MacBookPro die freigegebenen Ordner des virtuellen Windows Scan-Servers im Netzwerk sofort erkannten und ich mich auch mit dem entsprechenden Windows-Benutzerkonten anmelden konnte, musste ich den Windows Clients diese Pfade erst händisch klar machen, damit sie diese fanden und auch nutzen konnten.

Fazit: Perfektes Team-Play mit Apple und macOS-Server

Scanner an Windows Client
Scanner an Windows Client

Natürlich kann man mir eine gewisse Voreingenommenheit unterstellen, die ich auch gar nicht wirklich entkräften will. Das hier aufgezeigte Praxisbeispiel zeigt jedoch  eindrucksvoll wie offen und praxisnah Mac-Systeme zu nutzen sind und untermauert meine Aussage, dass Mac-Systeme wesentlich leistungsfähiger, stabiler und kompatibler sind als die üblicherweise installierten Windows-Systeme.

Hier noch mal die wichtigsten Stichpunkte und Nutzenfaktoren:

  • Apple / macOS: Direktes einbinden von fremden Festplatten, z.B. NTFS-Volumen
  • Erkennung und Integration in Windows-Netzwerke via SMB und/oder anderen Protokollen)
  • Flexible Konfiguration und Aufbau von Testkonstellationen ohne Neustarts
  • Enorm Leistungsfähig, super stabil und nachhaltig
    (Anm.: Auf dem Mac Pro des Kunden laufen jetzt neben den nativen Server-Diensten drei komplette Windows-Installationen ohne spürbare Geschwindigkeitseinbussen.) 
  • Geringe Wartungs- und Wiederherstellungskosten (TimeMachine, etc.)
  • macOS / OS X Server: Kostengünstige Server Anwendung, ideal für KMU mit vielen Funktionsmöglichkeiten, inkl. einem eigenen Wiki-Dienst.
  • Hohe Sicherheit gegen Viren und anderen Schädlingen.

Keine Frage spielte bei diesem Praxisbeispiel auch die Software „Parallels“ als Virtualisierungslösung eine wichtige Rolle, damit dieser Umzug ein Erfolg wurde. Ohne Virtualisierung wäre der Weg so generell nicht möglich gewesen. Doch die hohe Grundkompatibilität des macOS / OS X Systems bildet hier natürlich die besten Voraussetzungen für solch einen Lösungsansatz.

Sie haben einen speziellen Anwendungsfall und möchte Wissen, wie Sie diesen auf Basis eines Apple Systems umsetzen können? Nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf oder vereinbaren Sie einen Vor-Ort Termin.

J-UG_AS_1v3Desk64x40_4kbSeit fast 20 Jahren nutze ich Macs, explizit auch immer in gemischten Umgebungen. Beruflich wie auch privat habe ich gleichzeitig mit Windows PC unter XP und Win-7 arbeiten müssen, bzw. diese auch eingerichtet. Meine Erfahrungen sind, immer wenn es um Netzwerke, Kompatibilität und Benutzerverwaltung ging, legen gerade Windows-Rechner extreme Eigenarten an den Tag. Ständiges Neustarten ist da noch als die geringfügigste Herausforderung anzusehen.

 

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